Kinder- und Familienzentrum Violett

„Er wusste, dass das Herz des Menschen, wenn es sich von der Natur entfernt hat, hart wird. Er wusste, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt.“

Luther Standing Bear

 

 

 

 

 

 

„Schau tief in die Natur, dann wirst du alles besser verstehen.“

Albert Einstein

Der Lebensraum kleiner Kinder im Stadtteil Weingarten ist strukturell so eingeschränkt, dass die Kinder nicht selbständig eigene Erfahrungen in der Natur machen können.
Durch die Hochhausstrukturen können Kinder nicht alleine nach draußen gehen. Die Eltern können nicht von ihrer Wohnung aus die Kinder auf den Spielplätzen beaufsichtigen. Das bedeutet, dass Kinder nur in Begleitung von Erwachsenen raus können.
Durch die multifaktoriell hohen Belastungen der Familien, die vermehrte Nutzung von Medien in der frühen Kindheit und auch ein Mangel an Fachkräften in den Kindertageseinrichtungen tragen dazu bei, dass Kinder immer weniger selbständig und aktiv Naturräume wahrnehmen können. Fehlende ausreichende Bewegung und ein entspannter Aufenthalt in der freien Natur verhindern basale Sinnes – und Spielerfahrungen für Kinder. Die Kinder halten sich vermehrt in geschlossenen Räumen auf.

Die Naturpädagogik bietet einen Ausgleich zum hohen Medienkonsum der Kinder und dem großen Zeitfenster, das Kinder in geschlossenen Räumen hält.
Besonders Kinder von sozial benachteiligten Familien haben es deutlich schwerer entspannte Erfahrungen in der Natur zu machen.
Die Zusammenhänge in der Natur zu verstehen und sich selbst als ein Teil eines großen Kreislaufs zu begreifen hat Auswirkungen auf unser Handeln in der Natur.

„Denn nur was wir kennen, das lieben wir – und was wir lieben, das schützen wir.“

Konrad Lorenz

Unser Grundsatz

Die Gestaltung des Naturraums in unserem Urbanen Garten und regelmäßige Ausflüge in direkter Umgebung vermitteln den Kindern ein ökologisches Bewusstsein, fördern die sozialen Interaktionen und die körperliche und psychische Gesundheit.

„Es geht auch abstrakter um die menschliche Natur. Die menschliche Natur ist das, was wir in unserem Inneren sind, mit unseren Licht- und Schattenseiten, unseren Stärken und Schwächen, Hoffnungen und Ängsten. Wenn Du Deinen Garten bestellst, tust Du der Natur etwas Gutes. Du hilfst ihr aufzublühen.“

Zitat aus „Monas Augen“ von Thomas Schlesser

Unsere Ziele

Wir ermöglichen Kindern vielfältige Sinneserfahrungen in der freien Natur. Dazu gehören Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen und das Gleichgewicht. Unsere Angebote fördern die Ausbildung der Sinne.
Die Kinder machen körperliche Selbsterfahrungen, erleben Selbstwirksamkeit und erfahren die natürlichen Grenzen in der Natur.
Es findet ein ganzheitliches Lernen statt, bei dem die Sprache, insbesondere die Erweiterung des Wortschatzes, die Kreativität und die Motorik gestärkt wird. Weiterhin wird das Immunsystem und die psychische Stabilität der Kinder durch einen regelmäßigen Aufenthalt in der Natur gestärkt.
Den Kindern wird Wissen vermittelt über die Kreisläufe in der Natur, z.B. die 4 Jahreszeiten, Astronomisches Wissen, die Sonnenuhr, das Wissen über die Bienen.
Die Kinder lernen die Tiere in der Natur kennen und schätzen, z.B die Insekten.
Die Kinder erfahren wie u.a. Obst und Gemüse wachsen, wie man es erntet, wie man Honig schleudert und was man mit Bienenwachs machen kann.

Unsere Werte

Wir wollen den Kindern den Naturraum als wertvolle Schöpfung Gottes erfahrbar machen.
In vielen Religionen wird die Schöpfung als etwas Wertvolles und Gutes betrachtet.
Entdeckungen in der Natur regen die Kinder dazu an über grundlegende Fragen des Lebens nachzudenken.

Rolle der Fachkraft in der Naturpädagogik

Das Wissen über die Vorgänge in der Natur, die Haltung der Fachkraft und die damit verbundene Vorbildfunktion intensiviert das Naturerleben der Kinder. Die Fachkraft versteht sich als lernende Person und Begleiter, sie vermittelt den Kindern anschaulich die Prozesse in der Natur.
Sie ermöglicht Kindern einen Zugang zu Naturerfahrungen und schafft einen Freiraum zum Entdecken und Forschen. Sie vermittelt die Zusammenhänge der Natur und der Ökosysteme. Sie schafft ein Umweltbewusstsein mit dem Aufbau einer respektvollen und wertschätzenden Beziehung zur Natur.

Methoden der Naturpädagogik

Durch den Aufenthalt in einem Naturraum werden dem Kind die notwendigen Impulse gesetzt, dass es selbständig diesen Freiraum erkunden kann. Es findet ein aktives Erkunden und Erforschen der Umgebung statt. Impulse wie Beete richten, Säen, Ernten Gießen und kreative Angebote mit Naturmaterialien tragen zur Aktivität, Freude und einem großen Wohlbefinden bei.
Beim Freispiel in der Natur mit viel Bewegung und der Auseinandersetzung mit Flora und Fauna erfahren die Kinder die Naturmaterialien und werden kreativ. Es entstehen die schönsten Spiele und Ideen.
Unterlegt werden diese Erfahrungen durch Ausflüge in die nahe Umgebung, z.B auf den Schauinsland, zum Titisee, auf den Schlossbergturm, in den Seepark.

Lernumgebung Urbaner Garten Violett
– ein Bildungsgarten

Der Urbane Garten befindet sich direkt neben dem Kinder- und Familienzentrum Violett. Hinter dem Garten fließt ein Bach. Der Urbane Garten ist für die Kinder und Familien jederzeit niederschwellig zugänglich.

Der Garten bietet naturwissenschaftliche Erfahrungen bei der Gestaltung von Beeten und das Erleben der Natur in all seinen Facetten. Das betrifft das Verstehen von Phänomenen, z.B. wie wird Wasser zu Eis oder wie wird aus dem Löwenzahn eine Pusteblume und warum sind Bienen lebenswichtig für unsere Ernährung sowie vieles mehr.
Des weiteren wird im Steinkreis astronomisches Wissen vermittelt.
Um diese Erfahrungen zu vertiefen feiern wir die Feste der Sonne.

Die Vermittlung von Wissen über den Kreislauf des Lebens ermöglicht es den Kindern schon früh Empathie gegenüber Pflanzen und Lebewesen zu entwickeln, da dabei im hohen Maß die Sinne des Kindes angesprochen werden. Die Kinder entwickeln Achtsamkeit und lernen an den Grenzen die die Natur setzt, sich selbst zu regulieren.
Die Erlebnisse in der Natur regen zum sprechen an und erweitern anhaltend den Wortschatz. Beim gemeinsamen Spielen erleben die Kinder Zusammenhalt und die Regeln im Garten bieten Sicherheit und schützen die Kinder und die Umwelt.

Der Urbane Garten
– ein interkultureller Garten für Alle

Der Urbane Garten im öffentlichen Raum ist zugänglich für alle Menschen im Stadtteil.
Die Entwicklung des Urbanen Gartens (seit dem Jahr 2010 ) im Stadtteil Weingarten – unmittelbar neben dem Kinder – und Familienzentrum Violett – ist eine konzeptionelle Antwort auf die Lebensbedingungen der Kinder und Familien aus dem Stadtteil.
Die mangelnden Erfahrungsmöglichkeiten der Kinder in der Natur und der dramatische Verlust des Erwerbs primärer basaler Kompetenzen war Ansporn für das Team einen ökologischen Erfahrungsraum für Kinder und Familien zu schaffen, indem sie lernen und sich selbst fühlen können.
Sie sollen sich auch in ihrer Freizeit „frei“ erleben können.
Viele Kulturen begegnen sich hier und können miteinander Gärtnern und Zusammensein.
Im Garten treffen sich die Familien nachdem sie Ihre Kinder abgeholt haben und verbringen dort gemeinsame Zeit.

Der Garten ist ein Ort der Begegnung für die Einrichtungen und Akteure im Stadtteil.
Der Garten ist eine Chance für das Quartier und er hat sich zu einem interkulturellen Raum entwickelt indem Begegnungen verschiedener Gruppen, Austausch und Vernetzung stattfindet. Die unterschiedlichen Interessen der Nutzer helfen Vorurteile abzubauen, Verbundenheit zu erleben und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Der Garten wird auf Grund seiner Atmosphäre und Ausstrahlung von den Bewohnern im Stadtteil als ein besonderer Ort wahrgenommen und macht den Stadtteil attraktiver.
Alle können mitmachen!