Kinder- und Familienzentrum Violett

KiTa Violett auf dem Weg zum Familienzentrum

Warum machen wir das?

Wir wollen uns für die Anliegen der Familien deutlich mehr Zeit nehmen! Wir wollen Sie stark machen für die herausfordernde Erziehungsarbeit, damit ihre Kinder die Entwicklungsschritte machen können, die für jeden Menschen wichtig sind. Das bedeutet im Wesentlichen die räumliche Erweiterung der Kita mit zusätzlichen Räumen für Elterncoaching, intensive Familienarbeit und für die verstärkte Förderung der heilpädagogischen und logopädischen Förderung. Zusätzlich wird eine U3 Gruppe entstehen und eine altersgemischte Gruppe von 1-6 Jahren. Der bestehende Bau wird renoviert, u.a. die einzelnen Gruppen und die Küche.

Denn:

Die familialen Lebens- und Aufwachsensbedingungen von Kindern haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Familien sind heutzutage „anders“ als früher: Familien sind autonomer geworden und gestalten individuell – und grundgesetzlich geschützt – ihre eigene Lebenspraxis. Dabei entwickeln sie eine große Formenvielfalt und sind zugleich geprägt von kultureller Unterschiedlichkeit und sozialer Ungleichheit, mit den Folgen von durch Armut belasteten Lebensumständen.
Es bedarf Kraft und Mut diese Situation zu erkennen und anzunehmen, mit dem Wunsch diese zu bewältigen.

 

 

Die Kita Violett in Weingarten bekommt für ihren zweizügigen Ausbau 1,3 Millionen Euro, im Entwurf war das Geld nicht vorgesehen.
CDU, ESfA und Grüne hatten jeweils ähnlich lautende Anträge.
(Siehe Badische Zeitung vom 25.03.2021)

 

Badische Zeitung vom 08.04.2021

Steinkreis und die Kreisläufe des Lebens

Die alten Dakota waren weise:

Sie wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird; sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.

Unsere Idee:

Auf der Wiese vor der Kita Violett in Freiburg Weingarten soll in Erweiterung des Urbanen Gartens ein begehbarer Steinkreis mit 12m Durchmesser entstehen. Er soll sowohl Himmelsrichtungen, Planeten, Jahreszeiten und Monate ebenso Steinzeichen verschiedener Kulturen, Elemente und vieles mehr abbilden. Der Kreis ist aufgeteilt wie ein Kuchen mit 12 Stücken. In unseren Fall werden das Beete sein. Im Zentrum des Kreises wird eine Sonnenuhr stehen.

Warum machen wir das?

In Weingarten leben seit Generationen Menschen aus weit über 100 Kulturen aus ganzer Welt. Jede Kultur hat Zeichen und Symbole, die international verständlich sind. Andere Zeichen sind kulturspezifisch und trotzdem ähneln sie einander.
Wir wollen mit der Gestaltung des Kreises Weltwissen abbilden. Im Kreis findet unser Leben statt und jeder Mensch hat seinen Platz und seine Zugehörigkeit im Kreis des Lebens.

Die Kita Violett feiert 2021 ihr 30-jähriges Jubiläum

1991 wurde die Kita Violett eröffnet und feiert somit 2021 ihr 30-jähriges Jubiläum. Wir blicken auf 30 spannende Jahre in unserem Stadtteil zurück. Die Entwicklung der Kita Violett zum Familiennetzwerk, weiter hin zu einem Familienzentrum und letztendlich zu einer Gemeinschaft von Kindern, Eltern und Fachkräften war ein lebendiger und mitunter auch sehr anstrengender Prozess. Das Ziel ist es, allen Kindern und Familien ein individuelles Entwicklungs- und Bildungsangebot aufzuzeigen und immer wieder neue Antworten zu finden um Kinder, Eltern und Fachkräfte stark zu machen.

 

Die Namensgebung zeigt den Verweis auf die evangelische Kirchenfarbe. Violett ist die Farbe des Neuanfangs und des Aufbruchs, als Farbe der Besonnenheit und des bedachten Tuns, als Farbe des Gleichgewichts zwischen Liebe und Leidenschaft sowie Verstand und Weisheit. Mit dieser Haltung begegnen wir den Kindern, Familien und Fachkräften. Die Antwort auf viele komplexe Fragen wird durch die Konzeption des Familienzentrums „Alles unter einem Dach“ erheblich erweitert. Kinder, Familien und Fachkräfte haben somit die Chance die anstrengenden Entwicklungs- und Bildungsfragen in Zukunft vielseitiger beantworten zu können.

Wie ein Brennglas!

Ein Gespräch zwischen Nadyne Saint-Cast und Christine Hartmann über Kitas und Familienzentren

Foto: Felix Groteloh

Die „Kita Violett und Familiennetzwerk“ ist eine Kindertagesstätte und ein Familienzentrum in Weingarten. Stadträtin Nadyne Saint-Cast hat sich mit der Leiterin Christine Hartmann über die Herausforderungen der Coronakrise für die Kita und die Bedeutung von Kitas und Familienzentrum für die Bildung unterhalten.

Nadyne Saint-Cast: Wie ging und geht es den Familien in der Kita Violett während der Pandemie?

Christine Hartmann: Corona wirkt wie ein Brennglas. Das was vorher schon schwierig war, wird durch Corona verschärft. In unserer Einrichtung sind Kinder und Familien aus 30 verschiedenen Nationen. Verlust der Arbeit, Kurzarbeit, Fluchterfahrungen – in vielen Familien gibt es Ängste. Dadurch erhöht sich der Stress in der Familie. Dazu kommt die digitale Beschulung, die Beschäftigung der Kleinen, das Zubereiten mehrerer Mahlzeiten am Tag. Die Erwachsenen haben kaum noch Erholungsphasen und so entsteht eine Überforderung, die zu verbalen und körperlichen Grenzüberschreitungen führen kann. Der Nährboden dafür ist Hilflosigkeit und, dass Familien auf sich zurückgeworfen sind. Es gab natürlich auch Familien, die die Lockdown-Zeit gut bewältigt haben.

Nadyne Saint-Cast: Wie geht die Kita Violett mit dieser schwierigen Corona-Situation um?

Christine Hartmann: Wir haben so viele Kinder wie möglich in der Notfallgruppe betreut. Darüber hinaus haben wir schnellstmöglich eine Telefon- Hotline für die Familien aufgebaut. Jede Fachkraft von uns war für eine Anzahl bestimmter Familien zuständig und hat regelmäßig mit den Kindern und Eltern telefoniert. Wir waren so in einem engen Kontakt mit den Familien und konnten Hilfe leisten. Kinder mit heilpädagogischen und sprachlichem Förderbedarf wurden die ganze Zeit über in der Kita gefördert. So war es möglich, Entwicklungseinbrüche einzudämmen.In Kooperation mit der Quartiersarbeit haben wir zweimal in der Woche einen Eltern-Kind-Naturtag in unserem urbanen Garten angeboten. Wichtig war bei allen Aktionen, den Kontakt zu den Familien zu halten, sodass niemand übersehen wird.

Nadyne Saint-Cast: Können Kitas auffangen, was in Familien fehlt?

Christine Hartmann: Grundsätzlich sind Kitas familienbegleitende Angebote. Eine Kita integriert eine große Spannweite sozialer Unterschiede – von sehr gut organisierten Familien bis hin zu Familien mit einer Fülle schwer zu bewältigender Lebenssituationen. Wir beobachten, dass die Familiensituation vieler Kinder und Familien zunehmend sehr komplex ist. Die Kita allein kann diese Herausforderungen der Kinder und Familien nicht bewältigen. Nur gemeinsam mit den Eltern können wir Erfolge erzielen. Dafür braucht es Familienzentren.

Nadyne Saint-Cast: Was machen Familienzentren konkret und warum sind sie so wichtig?

Christine Hartmann: Kitas, die sich zu Familienzentren entwickeln, haben zum Ziel, eine gelingende Zusammenarbeit mit Kindern und Familien aufzubauen. Kinder- und Familienzentren sind Bildungs- und Entwicklungsorte, die Selbsthilfepotentiale der Eltern aktivieren. Ein Familienzentrum bietet alles unter einem Dach an: Erziehung, Bildung, heilpädagogische und sprachliche Förderung der Kinder sowie familientherapeutische Hilfen. Eltern werden z. B. über Elterncafés in Erziehungs- und Ernährungsfragen unterstützt. Ein gutes Aufwachsen von Kindern gelingt nur, wenn Familien die professionellen Unterstützungssysteme niederschwellig nutzen können. Es ist wichtig, dass ein Familienzentrum im Quartier gut vernetzt ist: Mit der Quartiersarbeit, der Grundschule, den Ärzt*innen, der Psychologischen Beratungsstelle, der Polizei. Dies ist für die Fachkräfte enorm wichtig, weil sie die Herausforderungen nicht alleine bewältigen können.

Nadyne Saint-Cast: Welche Bedeutung haben Kitas in unserem Bildungssystem?

Christine Hartmann: Der Grundstein für den Bildungserfolg des Kindes sind Bindung und Beziehung. Sie sind Basis für das Erlernen grundlegender Kompetenzen und Fähigkeiten. Zum Beispiel: Konzentriert bei einer Sache bleiben. Diese werden in den ersten drei Lebensjahren erworben. Danach geht dieses Entwicklungsfenster zu. Bei der frühkindlichen Bildung geht es also darum, ein lebenslanges, selbständiges Lernen in jedem Alter zu ermöglichen. Der Erwerb dieser Kompetenzen hat Auswirkungen auf unser ganzes Leben – beruflich wie privat!